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Trotz schwieriger Marktlage: Dieses Bauunternehmen investiert 2,5 Millionen

Die beiden Geschäftsführer von Mösle Bau, Christian Hock und Manuel Hoidekr, erklären, warum sie diesen Schritt gerade jetzt gegangen sind und wie sie die Lage am Bau erleben.
Bis vor Kurzem war das 1926 gegründete Traditionsunternehmen Mösle Bau in Wuchzenhofen beheimatet. Inzwischen wurde der neue Standort in der Sudetenstraße bezogen. Bis dahin war hier der Sitz des Busunternehmens Hutter, das zwischenzeitlich nur ein paar Meter weiter „Im Herrach“ zu finden ist. Ein Signal an die Mitarbeiter und an die Kunden sei der Umzug aus der Ortschaft nach Leutkirch, betonen Hock und Hoidekr im Gespräch mit der Redaktion unisono.
Angesichts der bekannt schwierigen Lage im Baubereich dürfe man diese Investition – Hock beziffert die Gesamtsumme, inklusive Grundstückserwerb und Bau des neuen Bürogebäudes, auf rund 2,5 Millionen Euro – durchaus als Statement verstehen. Trotz eines herausfordernden Marktumfelds stecke man den Kopf nicht in den Sand, so Hoidekr. Im Gegenteil.
Mietvertrag läuft aus
Gefragt nach dem Hintergrund des Umzugs, erklärt Inhaber Hock, dass beim damaligen Kauf der Firma von der Gründerfamilie nur der Betrieb gekauft wurde, nicht aber das Gelände. Und der entsprechende Mietvertrag laufe im Dezember dieses Jahres aus. Bei der Überlegung, wie es weitergeht, sei man zu der Überzeugung gelangt, dass der Wechsel von einem Mietobjekt zu einem Betriebsareal in Eigenbesitz sinnvoll sei, so Hock.
Das neue Bürogebäude bietet noch Platz für Erweiterungen.
Auf dem eigenen Grundstück können die beiden Geschäftsführer ihre Vorstellungen umsetzen. Dazu gehört etwa eine betriebseigene PV-Anlage, mit deren Strom der konsequente Umstieg auf die E-Mobilität vorangetrieben werden soll. Mittelfristig soll der Standort komplett klimaneutral werden, sagt Hock. Entsprechend wurde auch das neue, moderne Bürogebäude auf dem Gelände gebaut.
Neuer Standort ist nah an der Autobahn
Zudem bietet der neue Standort den Vorteil, dass er nah am Autobahnanschluss ist. Man habe etwa lange eine Baustelle in Wangen gehabt – und der Weg von Wangen bis zur Autobahnabfahrt Leutkirch sei von der Dauer her kürzer als der anschließende Weg von der Autobahnabfahrt bis Wuchzenhofen, verdeutlicht Hock. Für das Bauunternehmen erschließe sich so beispielsweise auch der Bodenseeraum besser, ergänzt Hoidekr.
Außerdem passe der neue Standort mit seinen Möglichkeiten und dem modernen Bürogebäude besser zur Firmenphilosophie, so Hoidekr weiter. Etwa bei der Digitalisierung oder auch bei den Mitarbeiter-Benefits und der Nachhaltigkeit seien sie in ihrer Branche vorne mit dabei, betont er. „Wir orientieren uns hier eher an den großen Industriebetrieben.“
Mit Blick auf die aktuelle Lage am Bau – laut dem Konjunkturbericht des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie haben im August 2024 35 Prozent der vom ifo-Institut befragten Bauunternehmen eine Behinderung ihrer Bautätigkeit durch Auftragsmangel gemeldet, im Wohnungsbau sogar jeder Zweite – betont Hock, dass man sich bei Mösle Bau in diesem Jahr noch zu keinem Zeitpunkt Gedanken über Kurzarbeit gemacht habe. Ihre Auftragslage sehe „gar nicht so schlecht aus“, für das laufende Jahr sei man fast ausgelastet und auch für das nächste Jahr habe man bereits zwei größere Aufträge.
Der Preiskampf bei Ausschreibungen ist gestiegen
Aber: Auch bei Mösle Bau spüre man durchaus, dass der Markt schwieriger geworden ist. So sei etwa der Preiskampf bei öffentlichen Ausschreibungen gestiegen. Wo früher ein oder zwei Angebote abgegeben wurden, sind es jetzt auch mal sieben, sagt Hock. Inzwischen, so Hoidekr, geben auch bei kleineren Vorhaben große Bauunternehmen Angebote ab, die sich früher dafür nicht interessiert haben.
Für Mösle Bau, dessen Jahresumsatz zuletzt bei rund acht Millionen Euro lag, sei es hier aktuell durchaus ein Vorteil, dass die Mitarbeiterzahl zuletzt leicht auf rund 40 gesunken ist. Denn, so Hoidekr: Je mehr Mitarbeiter, desto mehr „Futter“ in Form von Aufträgen brauche eine Firma. Gleichzeitig betonen aber beide, dass man keinen Einstellungsstopp habe. „Wenn es passt, immer gerne“, so Hock mit Blick auf potenzielle Bewerber.
2026/27 könnte der Baubereich wieder anziehen
Wie geht es am Bau weiter? „2025 wird ein spannendes Jahr“, sagt Hock. Zwar seien die Bauzinsen zuletzt wieder zurückgegangen, aber bis sich das in Aufträge umwandelt, dürfte es noch etwas dauern. Zum einen, so Hock, warten einige jetzt noch – in der Hoffnung, dass die Zinsen noch weiter fallen. Zum anderen dauere es nach einem Bauentschluss nochmals, bis die Planung steht. Wahrscheinlich, so seine Prognose, zieht der Baubereich deswegen erst 2026/27 wieder spürbar an.
„Die Wirtschaft braucht klare Perspektiven.“ Christian Hock
Wobei die politische Großwetterlage auch bei dieser Prognose noch ein großer Unsicherheitsfaktor sei. Neben den Kriegen und Konflikten im Ausland, etwa in der Ukraine oder im Nahen Osten, brauche es auch im Inland eine stabile politische Lage. „Die Wirtschaft braucht klare Perspektiven“, betont Hock. Es müsse verhindert werden, dass Firmen ins Ausland abwandern.
Herausforderung durch den Fachkräftemangel
Ein weiteres Thema, das in Zukunft ein noch größeres Problem werden dürfte, ist der Fachkräftemangel, erklärt Hoidekr. Ihr Lösungsansatz hier sei es, jungen Menschen durch ein modernes Arbeitsumfeld auch am Bau, Stichwort Digitalisierung, eine interessante Ausbildung zu bieten und ihnen im Anschluss eine Perspektive im Unternehmen aufzuzeigen.
Ein großer Teil der aktuellen Mitarbeiter habe bei Mösle seine Ausbildung gemacht. „Da müssen wir wieder hinkommen“, sagt Hoidekr. Leider sei es gar nicht so einfach, Auszubildende zu finden.
Generell helfe es natürlich, dass man einen guten Ruf in der Region habe, sagt Hock. Immer wieder würden sie auch Aufträge bekommen, bei denen es den Auftraggebern wichtig sei, dass ein inhabergeführtes Unternehmen zum Zug kommt, erklärt er.
Optimistischer Blick nach vorne
Und auch wenn man zuletzt mehrere größere Aufträge hatte, die ausstrahlten, seien sie nach wie vor offen für „kleinere Aufträge“, betont Hock. „Wir machen auch gerne einen Türdurchbruch oder eine kleine Gartenmauer für einen Privaten“, sagt er.
Dass man trotz dieser Herausforderungen bei Mösle Bau grundsätzlich optimistisch nach vorne blickt, zeigt unter anderem der Umstand, dass das neue Bürogebäude so konzipiert ist, dass es um ein weiteres Geschoss aufgestockt werden kann. Und auch in seiner jetzigen Form biete es noch Platz für Erweiterungen, so Hoidekr.